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Weinwissen · Aus der IWI-Praxis

KI wartet nicht auf uns

Warum gerade kleinere Unternehmen in Gastronomie, Weinhandel und Weinwirtschaft künstliche Intelligenz nicht nur ausprobieren, sondern zunehmend in ihren Arbeitsalltag integrieren sollten.

Eine Kolumne von Alexander Kohnen, Leiter des International Wine Institute
Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag von Gastronomie und Weinhandel
KI kann Routinearbeit reduzieren – und dadurch mehr Zeit für Beratung, Mitarbeiter und Kunden schaffen.

Vor wenigen Jahren war künstliche Intelligenz ein Thema für Technologiekonzerne und Forschungslabore. Heute fragen wir sie nach einem Rezept für das Abendessen.

Wir planen Reisen, lassen Texte verbessern, recherchieren, vergleichen Produkte oder bitten KI, uns komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären. Wir probieren aus – und haben uns erstaunlich schnell daran gewöhnt.

Und dann gehen wir zur Arbeit.

Der Gastronom öffnet seine E-Mails, schaut in den Dienstplan und prüft die Reservierungen. Der Weinhändler beantwortet Kundenanfragen, der Winzer organisiert den Vertrieb, die Agentur arbeitet ihre Aufträge ab. Und irgendwo steht noch der Newsletter, den man eigentlich längst schreiben wollte.

Privat sind wir neugierig. Im Unternehmen machen wir vieles wie bisher.

Warum eigentlich?

An fehlenden Möglichkeiten kann es kaum noch liegen. Gerade ein Blick in die USA zeigt, wie konkret KI inzwischen betrieblich eingesetzt wird. In der Gastronomie geht es längst um Marketing, Administration, Dienstplanung, Warenwirtschaft, Recruiting oder Kundenkommunikation. Die amerikanische National Restaurant Association nennt genau diese Bereiche als reale KI-Anwendungen.

Bei uns dagegen bleibt KI gerade in kleineren Unternehmen häufig noch das Programm, dem man eine Frage stellt oder einen Text zum Glätten gibt.

Das ist ein guter Anfang. Aber eben erst der Anfang.

Aus der Praxis
Das Tagesgeschäft gewinnt. Fast immer.

Denn der Inhaber eines kleineren Unternehmens ist selten nur Unternehmer. Er ist Verkäufer, Einkäufer, Personaler, Marketingabteilung, Controller und Problemlöser. Im Restaurant vielleicht zusätzlich Gastgeber, im Weinhandel Berater, im Weingut Produzent und Vertriebler.

Das Tagesgeschäft gewinnt. Fast immer.

Und damit fehlt Zeit für die Dinge, die das Unternehmen morgen besser machen könnten: Beratung verbessern, Mitarbeiter qualifizieren und entlasten, Marketing effizienter gestalten oder vorhandene Unternehmensdaten für bessere Entscheidungen nutzen.

Technologische Entwicklung wartet nicht

Ein wenig erinnert mich das an die Elektromobilität. Wir haben in Deutschland lange über die Zukunft des Verbrennungsmotors diskutiert, während andere bereits massiv in neue Technologien investierten. Über die Gründe kann man streiten. Die Lehre ist einfacher: Eine technologische Entwicklung wartet nicht darauf, bis wir von ihr überzeugt sind.

KI wird das ebenfalls nicht tun.

Dabei müssen wir gar nicht weit in die Zukunft schauen. Mich interessiert viel mehr, was KI heute Morgen schon für einen Unternehmer erledigen könnte.

Was braucht heute Aufmerksamkeit?
Umsatz gestern. Reservierungen und Termine heute. Wer übernimmt welche Schicht? Welche Kundenanfragen sind noch offen? Welche Lieferung kommt? Welche Produkte verkaufen sich auffällig gut oder schlecht? Und welche drei Dinge brauchen heute wirklich die Aufmerksamkeit des Chefs?

Kein Zukunftsszenario. Einfach ein besser organisierter Arbeitstag.

Nicht zuerst Mitarbeiter sparen – sondern Mitarbeiterzeit

Natürlich wird sich ein Unternehmer fragen: Kann ich damit einen Mitarbeiter einsparen?

Eine berechtigte Frage. Personal ist knapp und teuer.

Vielleicht sollten wir sie trotzdem anders stellen: Welche Arbeit sollten meine Mitarbeiter eigentlich gar nicht mehr machen müssen?

Informationen zusammensuchen, Standardmails formulieren, Zahlen aufbereiten, immer wieder ähnliche Texte schreiben oder Schulungsunterlagen vorbereiten?

KI spart vielleicht nicht zuerst Mitarbeiter. Sie spart Mitarbeiterzeit.

Und Mitarbeiterzeit ist eine ausgesprochen wertvolle Ressource.

Marketing, Schulung und Beratung: KI wird konkret

Nehmen wir Marketing. Zwölf neue Weine kommen in den Handel. Daraus können mit KI ein Newsletter, ein Website-Text, eine Einladung zur Verkostung und Inhalte für verschiedene Kommunikationskanäle vorbereitet werden. Was früher viele Stunden oder externes Budget erforderte, wird plötzlich auch für einen kleinen Betrieb machbar.

Gerade im Weinhandel treffen heute Fachberatung, Sortimentsgestaltung, Verkauf und digitale Kommunikation aufeinander. Ein moderner Sommelier muss Wein deshalb nicht nur fachlich beurteilen, sondern Wissen auch verständlich und effizient für Kunden aufbereiten können.

Oder Mitarbeiterschulung. Ein neuer Verkäufer soll mehrere hundert Produkte kennenlernen, ein Servicemitarbeiter Speise- und Weinkarte verstehen. KI kann aus betriebseigenen Unterlagen Lernfragen entwickeln, Wissen aufbereiten und Beratungsgespräche trainieren.

Auch für Sommeliers in Gastronomie und Hotellerie wird diese Verbindung aus Fachwissen, Beratung, Organisation und Mitarbeiterschulung zunehmend relevant.

Verkaufen, beraten und begeistern muss anschließend immer noch ein Mensch.

Vom Ausprobieren zum tatsächlichen Einsatz

In Deutschland nutzen nach KfW Research inzwischen rund 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen KI. Besonders verbreitet sind relativ einfach zugängliche Anwendungen rund um Sprache und Text. Anspruchsvollere Anwendungen werden deutlich seltener genutzt. Digitaler Reifegrad und vorhandenes Know-how spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Genau darin liegt für mich die Herausforderung.

Viele von uns sind bei KI noch Einsteiger. Das ist völlig in Ordnung. Einen Text formulieren zu lassen, Informationen zusammenzufassen oder eine Recherche zu beginnen, ist ein sinnvoller Einstieg.

Aber wir sollten uns weiterentwickeln.

Der nächste Schritt beginnt dort, wo KI mit den tatsächlichen Aufgaben eines Unternehmens verbunden wird: organisieren, analysieren, automatisieren, Marketing unterstützen, Mitarbeiter qualifizieren, Beratung verbessern und vielleicht zusätzlichen Umsatz ermöglichen.

Dafür muss niemand IT-Spezialist werden. Aber Unternehmer und Führungskräfte sollten verstehen, was möglich ist, wo Grenzen liegen und welche Anwendungen für ihren Betrieb sinnvoll sind.

KI-Kompetenz entsteht nicht durch Abwarten. Sie entsteht durch Ausprobieren, Lernen und Weiterbildung.

Niemand muss heute KI-Experte sein. Aber Unternehmer können es sich immer weniger leisten, KI-Einsteiger zu bleiben.

Erst das Problem. Dann die Software.

Und dabei sollten wir nicht zuerst fragen, welches KI-Programm das beste ist.

Die bessere Frage lautet:
Welches Problem möchte ich lösen?

Die Aufgabe muss am Anfang stehen. Nicht die Software.

Denn möglicherweise besteht die größte Chance künstlicher Intelligenz gar nicht darin, Menschen zu ersetzen.

Sondern ihnen wieder mehr Zeit für Menschen zu geben.

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Quellen KfW Research, Untersuchungen zur KI-Nutzung im deutschen Mittelstand, 2026; National Restaurant Association, Veröffentlichungen zu KI-Anwendungen in der Gastronomie, 2025/2026; UK Department for Science, Innovation & Technology, AI Adoption Research, 2026.
Transparenzhinweis Diese Kolumne gibt die Gedanken, Erfahrungen und persönliche Einschätzung von Alexander Kohnen wieder. Bei Recherche, Strukturierung und sprachlicher Ausarbeitung wurde ChatGPT unterstützend eingesetzt. Inhaltliche Bewertung und Verantwortung für den veröffentlichten Text liegen beim Autor.
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